Kommunikation

Feedbackregeln einfach erklärt -
So geben Sie wertschätzendes und erhalten qualifiziertes Feedback.

Feedbackregeln einfach erklärt: So geben und erhalten Sie Feedback

Feedback ist wichtig – aber richtig. Feedbackregeln helfen Ihnen im Beruf und Alltag, angemessenes Feedback zu geben und dabei gute Beziehungen zu Ihren Kollegen, Mitarbeitern und Freunden zu bewahren.

Jeder sendet Feedback im Alltag. „Kannst du nicht mal die Zahnpastatube zu machen?“ oder „…die Kaffeetasse in die Spülmaschine räumen?“. Beide Situationen aus dem Privat- bzw. Berufsleben sind Formen von Feedback, wie wir sie alltäglich nutzen.

Doch wie kommt das beim Gegenüber an? Die Antworten können durchaus unterschiedlich ausfallen. Es kommt auf den Tonfall des Gesagten an und natürlich – den Kontext. Die möglichen Antworten können vielfältig ausfallen. „Mach doch selbst“, Nö, jetzt nicht“ bis hin zu „Aber sicher, Schatz“.

Als Sender möchten Sie im Zweifel gar nicht provozieren, sondern lediglich eine Bitte platzieren. Vielleicht wollen Sie auch nur sagen, wie ein bestimmtes Verhalten auf Sie selbst wirkt.

Feedback soll dabei helfen, sich zu verbessern. Ist es konstruktiv formuliert und beachten Sie gewisse Feedbackregeln, macht es sogar Spaß, Feedback zu geben und auch anzunehmen. Letztlich soll die Selbstwahrnehmung des Empfängers ergänzt und seine Wirkung auf Freunde, Familie, Kollegen und Vorgesetzte gespiegelt werden. Wichtig ist, dass Sie faires Feedback geben und annehmen können – heutzutage ein unerlässliches Instrument, nicht nur im Management.

Was ist Feedback eigentlich?

Feedback, das ist laut Duden eine Reaktion, die jemandem anzeigt, dass ein bestimmtes Verhalten, eine Äußerung oder Ähnliches vom Kommunikationspartner verstanden wird, eine Rückkoppelung oder Rückmeldung. In manchen Fällen führt diese Reaktion zu einer bestimmten Verhaltensweise oder Verhaltensänderung des Reagierenden.

Beim Feedback treffen Sie als Sender eine Aussage darüber wie Sie das Verhalten des Empfängers wahrnehmen. Der Empfänger erfährt dementsprechend seine Wirkung auf Sie und lernt gegebenenfalls, ob oder wie er es ändern kann. Sie sind also Feedbackgeber und der Empfänger ist Feedbacknehmer. Nicht immer muss das Feedback geben von Ihnen, vom Sender, ausgehen. Der Feedbacknehmer kann auch darum bitten, eine Rückmeldung zu erhalten.

Kommunikation als Grundlage für Feedback

Vier-Ohren-Modell

„Es ist grün!“ lautet das Beispiel aus Friedemann Schulz von Thuns berühmtem Vier-Ohren-Modell. Dieser Satz wird in dem Beispiel von einem Ehemann zu seiner Frau gesagt als die Ampel, vor der sie im Auto stehen auf grün schaltet.

Vier Ohren meint, dass dieser Hinweis auf vier verschiedene Arten gehört werden kann:

  • Auf der Sachebene bedeutet er, die Ampel ist nicht mehr rot.
  • Die Appellebene beschreibt, die Ehefrau solle endlich anfahren.
  • Auf der Beziehungsebene meint er, dass der Ehemann es eh besser wisse.
  • Als Offenbarungsebene zeugt er von der Ungeduld des Ehemanns.

Kommunikation hat also viele Facetten. Paul Wazlawik beschreibt diese Vielfalt mit „man kann nicht nicht kommunizieren“.

Eisberg-Modell

Das sogenannte Eisberg-Modell hat einen ähnlichen Ansatz. Gemäß dem Modell, begründet durch Sigmund Freud, verbleiben 80 Prozent der Kommunikation unterhalb der Wasseroberfläche. Man nennt diesen größeren Teil des Eisbergs im Modell Beziehungsebene.

Das bedeutet, dass nur 20 Prozent der Kommunikation auf der sogenannten Sachebene verlaufen. Nur dieser kleinere Teil kann direkt wahrgenommen werden.

Zusätzlich besagt das Modell, dass, sobald eine Störung auf einer Ebene vorliegt, die andere auch beeinträchtigt ist. Hier kommt es dann zu Konfliktsituationen, denen Sie wiederum mit Feedback begegnen können.

Gewaltfreie Kommunikation (GFK)

Als wesentlicher Teil Gewaltfreier Kommunikation nach M.B. Rosenberg gilt Feedback als besonders effektiv, wenn es empathisch gegeben und auch empfangen wird. So konnte in einer Studie der Yale Universität nachgewiesen werden, dass konstruktives Feedback die Motivation und Leistung der Mitarbeiter um 10 Prozent steigern kann.

10 goldene Feedbackregeln für Feedbackgeber und -nehmer

Damit die Bedürfnisse aller beteiligten Personen berücksichtigt werden, gilt es ein paar Hinweise im Rahmen von Feedback zu beachten.

  • Warum wollen Sie Feedback geben/nehmen?
  • Worauf wollen Sie Feedback geben/nehmen?
  • Was wollen Sie verbessern/verbessert wissen?
  • Welche Auswirkungen hat das Feedback auf andere Personen?

Werden Sie sich Ihrer Gefühle und Intentionen klar.

Feedback kann übrigens auch durchaus lobend sein. Es muss nicht immer mit dem Wunsch einer Verhaltensänderung einhergehen. Die gute Leistung, eine gute Tat einer Person hervorzuheben, hat stark motivierenden Charakter.

5 Feedbackregeln für den Feedbackgeber

  • 1) Fragen Sie Ihr Gegenüber, ob es Feedback erhalten möchte. Die Bereitschaft dazu sollte gegeben sein.
  • 2) Senden Sie Ich-Botschaften. Es ist Ihre Beobachtung, Ihre Wahrheit, die Sie kundtun.
  • 3) Sein Sie konkret und positiv in Ihren Formulierungen. Bestenfalls beruht Ihre Wahrnehmung auf Fakten, die Sie sachlich, also wertfrei und empathisch vermitteln.
  • 4) Melden Sie das, was Ihnen aufgefallen ist, zeitnah zurück.
  • 5) Geben Sie wertschätzende und konstruktive Rückmeldungen, zeigen Sie Entwicklungsmöglichkeiten auf. Das bedeutet auch, dass Feedback zu Verhaltensweisen gegeben wird, die der Feedbacknehmer wirklich ändern kann.

5 Feedbackregeln für den Feedbacknehmer

  • 1) Hören Sie konzentriert zu und lassen Sie Ihren Feedbackgeber ausreden.
  • 2) Nehmen Sie Nützliches auf, das aus Ihrer Sicht Vernachlässigbare lassen Sie ziehen.
  • 3) Erklären, rechtfertigen oder verteidigen Sie sich nicht: Sie hören eine Wahrnehmung. Jeder hat seine eigene Wahrheit. Die Meinung des Anderen sollte akzeptiert werden, im besten Fall lernen Sie daraus.
  • 4) Fragen Sie nach, wenn Sie etwas nicht verstanden haben und fassen Sie die Schilderung zusammen, damit Sie etwaige Interpretationen vermeiden.
  • 5) Sein Sie dankbar – Sie bekommen die Chance, sich zu verbessern.

Am Ende gilt für alle: Tauschen Sie nicht zu viele Informationen auf einmal aus. Geben Sie lieber häufiger Feedback als zu selten und dann geballt.

Im Unternehmenskontext entsteht durch häufiges Feedback geben eine Feedbackkultur, ja sogar eine Lernkultur, woraus sich eine lernende Organisation entwickeln kann. Beachten Sie hierbei, dass wie in agilen Organisationen, Feedback nicht nur hierarchisch von oben nach unten gegeben werden sollte.

Jeder hat das Recht jedem Feedback zu geben, jeden in seiner Entwicklung zu unterstützen.

Feedback geben mit dem WWW Modell – eine effektive Feedbackformel für die Praxis

Einprägsam und zugleich effektiv ist das WWW-Modell. Die drei „W“ – Wahrnehmung, Wirkung, Wunsch – aus diesem einfachen Modell geben Ihnen an die Hand, was beim Feedback geben zu beachten ist:

  • Wahrnehmung: Schildern Sie eine wahrgenommene Tatsache.
  • Wirkung: Beschreiben Sie die Wirkung, die das wahrgenommene Verhalten auf Sie hatte.
  • Wunsch: Bitten Sie um die Änderung, die Sie sich im Verhalten Ihres Feedbacknehmers wünschen.

Auf diese Art und Weise Feedback zu geben, funktioniert immer gut. Es kann privat, hierarchieübergreifend oder unter Kollegen genutzt werden.

Das folgende Beispiel zeigt Ihnen die Anwendung der WWW-Formel, ergänzt um Schulz von Thuns Element „Beziehung“.

  • Wahrnehmung: „Mir ist aufgefallen, dass sie in den letzten vier Wochen wiederholt Abgabedaten verpasst haben.“
  • Wirkung: „Das wirkt auf mich, als priorisieren sie gerade Dinge, die uns im Tagesgeschäft nicht nützen.
  • Beziehung: „Normalerweise geben sie mir doch Bescheid, wenn sie mehr Zeit zur Bearbeitung einer Aufgabe benötigen.“
  • Wunsch: „Ich möchte, dass sie mich künftig wieder davon in Kenntnis setzen, wenn ein zugesagter Termin nicht eingehalten werden kann.“

Nun geht es ans Üben der Feedbackregeln. Probieren Sie die WWW-Formel einfach aus. Üben Sie zunächst für sich, bevor Sie in die Praxis gehen und ein konkretes Beispiel ansprechen.

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Als Coach begleitet Vanessa ihre Kunden dabei, alte Denkmuster zu durchbrechen und neue Lösungen für ihren Weg zu entwickeln. Sie unterstützt ihre Kunden dabei, sich bewusst Zeit zu nehmen, Veränderungen aktiv anzustoßen und ihre Ziele zu erreichen.